Great glasses for small faces

Susanne und Wolfgang Reckzeh
Susanne und Wolfgang Reckzeh: Duch sie entstand die Brillenmanufaktur, die Brillen für Menschen mit schmalen Gesichternentwickelt.

Colibris Brillen aus Stockelsdorf sind bei Menschen mit schmalen Gesichtern auf der ganzen Welt beliebt.

Mailand, Paris, New York – und natürlich Berlin. Diese Metropolen assoziiert man mit Mode und Design. Wer denkt beim Thema Brillenmode an Stockelsdorf? Im ersten Augenblick wohl niemand, doch vor den Toren der Hansestadt Lübecks hat sich im Laufe von zwei Jahrzehnten eine Brillen­manufaktur etabliert, die Brillen für Menschen mit zierlichen Gesichtern in der ganzen Welt entwickelt: Colibris – great glasses for small faces.

„Entstanden ist die Idee der eigenen Brillenmarke 1998“, erzählt Wolfgang Reckzeh. „Den Anstoß dazu gab meine Frau, die für das eigene Gesicht keine passende Brille fand.“ Susanne Reckzeh hatte erfahren müssen, dass die gängigen Brillen zu breit, zu großflächig und zu grob für ihr Gesicht waren und immer von der schmalen Nase rutschten. Und das, obwohl sie Zugriff auf die modernsten und angesagten Brillenmarken der Welt hatte – schließlich ist Wolfgang Reckzeh der Inhaber des bekannten Optiker­geschäftes Colibri in der Lübecker Wahmstraße.

Augenoptikerin Liana Gräber
Augenoptikerin Liana Gräber hat ein Gespür für Brillendesign und Trends.

Was eine komfortable Brille ausmacht, wissen die beiden Brillen­träger Wolfgang und Susanne aus eigener Erfahrung. Zudem kennen sie das hand­werkliche Know How aus dem Effeff, schließ­lich sind beide leidenschaftliche Augen­optiker. Beides setzt jene Maßstäbe, für die seit 20 Jahren Colibris aus Stockelsdorf, stehen. „Wir fertigen Brillen, die Menschen mit schma­len Gesichtern stehen und deren Proportionen darauf abgestimmt sind. Damit garantieren wir einen außer­ordentlichen Tragekomfort, hand­werk­liche Qualität und unterstreichen die Persönlichkeit der Trägerin“, sagt Wolfgang Reckzeh.

Die Colibris aus Edelstahl und Titan werden nach hauseigenen Entwürfen in Italien gefertigt.
Die Prototypen aus Acetat in Stockelsdorf.

Colibris schmücken das Gesicht

Weil sich Modetrends in den Städten und auf den Straßen der Welt ent­wickeln, sind die internationalen Messen in Mailand, Paris und New York immer inspirierend für künftige Neuerscheinungen. Hier zeigt sich nämlich, was sich mode­bewusste Menschen als Lieblings­accessoire für ihr Gesicht wünschen. Vor wenigen Wochen sind Susanne und Wolfgang Reckzeh erst von der MIDO, einer der gefragtesten inter­natio­nalen Messen für Augenoptik in Mailand zurückgekehrt. Mit von der Partie ist meistens Liana Gräber. Die junge Frau ist Augen­optikerin und hat ihre Leidenschaft im Brillendesign gefunden. Sie hat ein Gespür für kommende Trends und setzt diese in Brillengestelle um, deren Proportionen auf schmale Gesichter zugeschnitten sind. Ihr Augenmerk gilt innovativen Materialien, den zukünftigen Modefarben und den neuen Formen. „Beige, violett und khaki sind im Kommen“, sagt Liana Gräber und betrachtet fasziniert die aus Italien stammen­den Acetatplatten, aus denen die neuen Fassungen entstehen sollen. „Acetat ist ein faszinierendes Material für die Brillen­herstellung. Ich kann es fräsen, polieren und tolle Farb­kombina­tionen kreieren.“ Während die Colibris aus Edelstahl und Titan nach den hauseigenen Entwürfen in Spezial­fertigungs­anlagen in Italien produziert werden, sind die Brillen-Prototypen aus Acetat Stücke aus der Werkstatt in der Rudolf-Dieselstraße.

Acetat ist ein faszinierendes Material für die Brillenherstellung

Augenoptikerin Liana Gräber

Wie ein Modedesigner sich in Stoffe verliebt und aufgrund des Mate­rials eine neue Kreation als Vorstellung in seinem Kopf hat, weiß auch Liana Gräber wie eine schimmernde Platte mit ihren Farbsprenkeln und Maserungen nach der Bearbeitung wirken könnte. Erste Zeich­nungen bringen die Eindrücke, die sie aus Mailand mitgebracht hat, aufs Papier. Im Trend liegen sowohl markante Brillen mit ausruck­starken Formen wie zum Beispiel Cateye, zeitgleich sind aber auch sehr dezente zurück­haltende Designs im angesagt. Liana Gräber greift die Modetrends auf und interpretiert sie im Colibris-Stil. Hier achtet sie auf den goldenen Schnitt des Gesichts und berücksichtigt die beson­deren Proportionen des zierlichen Gesichts, damit die Brille am Ende einen perfekten Sitz hat.

Aus einer Idee entsteht ein Entwurf und schließlich in mehreren handwerklichen, präzisen Arbeitsschritten
eine komplette Brillenfassung, die zukünftig ein zierliches Gesicht schmücken wird.

Aus Platten werden Colibris

Was die Brillen­designerin zuvor dem Computer an Daten mitgegeben hat, wird aus der Acetatplatte herausgefräst. Und zwar auf unter­schied­lichen Ebenen, mit allen Abrundungen und den Nasen­auflagen. Cellulose­acetat, das aus Baumwolle hergestellt wird, ist dabei ein vielseitiger Werkstoff. Aus ihm entstehen Brillen, die sich schön anfühlen und komfortabel zu tragen sind. „Hitze macht Acetat form­bar“, erklärt Liana Gräber. „Deswegen kann es den Gesichts­formen so gut angepasst werden.“ Das gilt für das Mittelteil einer Brille, aber auch für die Brillenbügel, die für den perfekten Halt der Brille an schmalen Köpfen sorgen.

Traditionell und nach bewährter Manier geht es zu, wenn aus dem matten Brillen-Rohling ein Glanzstück wird: Die Brillen­fassung wird nacheinander in die mit unterschiedlich großen Holzteilchen bestückten Trommeln gegeben, wo sie rotieren. Das sorgt dafür, dass das noch matte Acetat seine inneren Werte preisgibt. Jetzt zeigt sich, ob die Colibris-Designerin bei der Auswahl des Platten­materials richtig gele­gen hat und ob den Acetat­designern in Italien ein Kunstgriff gelungen ist. Erst dann fügt Liana Gräber die Bügel und Mittelteile zusammen und poliert die Fassung noch einmal per Hand. Ein sichtbares Colibris-Logo gibt es nicht. „Unsere Kunden schätzen die elegante, auffallende Schlichtheit, das nordische Design der Colibris und deren Pass­genauig­keit.“ Doch ist das noch lange nicht der Startschuss für die Serien­ferti­gung. Ein halbes Jahr dauert es, bis die Entwicklung eines Prototyps abgeschlossen ist, denn auf jedes neue Modell müssen Werkzeug und Maschinen, Scharniere und Schrauben abgestimmt sein. Insbesondere eine neue Titanbrillen-Kollektion erfordert eine lange Vorlaufzeit. Auch die Colibri-Mitarbeiter und Kunden mit unterschiedlichen Gesichts­formen haben auch noch ein Wörtchen mitzureden. Sie werden das gute Stück testen und ihre Meinung dazu kundtun. Erst wenn das Muster alle Prüfungen bestanden hat und Wolfgang Reckzeh sein Go gibt, geht der Prototyp in die Serienfertigung.

Die Kunden schätzen die elegante, auffallende Schlichtheit, das nordische Design und die Passgenauigkeit

Augenoptikerin Liana Gräber

Acetat-Brillengestell auf Holzteilchen
Acetat-Brille

Wenn man Menschen mit unseren Brillen auf der Straße sieht, macht uns das sehr stolz

Susanne Grimsehl-Reckzeh
Inhaberin colibris - great glasses for small faces

Colibris flattern in die Welt

Um Optiker auf der ganzen Welt von der Einzigartigkeit der Brillen für kleine Gesichter zu überzeugen, sind Messen die perfekte Bühne. Also geht es alljährlich beispiels­weise auf die Vision Expo East nach New York oder auf die Opti, der Internationalen Messe für Optik und Design in München. Hier treffen sich Optiker aus der ganzen Welt. „Diese großen Messen bieten die beste Gelegenheit, sich zu treffen, zu ler­nen, Ideen auszutauschen und zusammen­zuarbeiten“, weiß Wolfgang Reckzeh. „Hier können wir die Colibris als Marke präsentieren und zeigen, dass Menschen mit schmalen Gesichtern nicht auf modische Brillen­formen verzichten müssen.“ Das kommt gut an. Die Marke aus Stockelsdorf, die mit ihrer Idee ein Allein­stellungs­merkmal besitzt, feiert Erfolge und hat sich als kleiner Exot unter anderen Designer­marken etabliert. Händler in der ganzen Welt ordern die Brillen­fassungen für ihre Kunden. „Wenn man dann Menschen mit unseren Brillen auf der Straße sieht, macht uns das sehr stolz.“, sagt Susanne Reckzeh.

Text: Carola Pieper | Fotos: Olaf Malzahn | Erschienen in LÜBECK delüx 4/2019